Verkehrsübungsplatz: So nutzt du jede Runde vor der Fahrprüfung
Aktualisiert
Auf einem Verkehrsübungsplatz darfst du ohne Führerschein Auto fahren, wenn du das Mindestalter des Betreibers erreicht hast und eine Begleitperson mit Führerschein neben dir sitzt. Bei den ADAC-Plätzen in Südbayern geht das zum Beispiel ab 15 Jahren, mit eigenem zugelassenem Auto und bei höchstens 30 km/h.
Damit sich die Runden lohnen, findest du hier typische Platzregeln, einen Übungsplan für drei Besuche und die Grenzen dessen, was ein Übungsplatz leisten kann.
Was ist ein Verkehrsübungsplatz?
Ein Verkehrsübungsplatz ist ein geschlossenes Gelände mit Fahrbahnen, Kreuzungen, Parklücken und Verkehrszeichen. Weil er nicht zum öffentlichen Straßenverkehr gehört, darfst du dort schon vor oder zwischen den Fahrstunden ans Steuer. Auf öffentlichen Straßen ginge das nur mit Fahrlehrer, wie der Guide Autofahren üben ohne Führerschein erklärt. Betreiber sind häufig Automobilclubs. Der ADAC unterhält in Südbayern zum Beispiel Plätze in Augsburg, Ingolstadt, Kempten und Regensburg, auf denen Steigungen, Parklücken und Verkehrszeichen nachgebaut sind.
Welche Regeln gelten? Zwei Beispiele
Die Platzordnung legt jeder Betreiber selbst fest. Wie unterschiedlich das ausfallen kann, zeigen zwei ADAC-Plätze:
| Regel | ADAC-Plätze Südbayern (aktuelle Angaben) | ADAC Hansa in Embsen bei Lüneburg (Angaben zur Eröffnung 2019) |
|---|---|---|
| Mindestalter am Steuer | 15 Jahre | 16 Jahre |
| Begleitperson | volljährig, seit mindestens 3 Jahren Führerschein, sitzt die ganze Zeit auf dem Beifahrersitz | mindestens 25 Jahre alt, seit mindestens 3 Jahren Führerschein, auf dem Beifahrersitz |
| Fahrzeug | eigener, zugelassener Pkw | keine Angabe |
| Tempo und Verkehrsregeln | höchstens 30 km/h, StVO gilt | keine Angabe |
| Buchung | keine Anmeldung, Ticket vor Ort | Stundenpreis plus Tagesversicherung |
Laut R+V Versicherung liegt das Mindestalter bei vielen Anbietern bei 16 oder 17 Jahren, und oft muss die Begleitperson mindestens 21 sein. In Südbayern dürfen außerdem keine Kinder unter 14 Jahren und keine Tiere mitfahren. Prüfe vor dem ersten Besuch die Seite deines Platzes, denn Öffnungszeiten, Preise und Versicherung unterscheiden sich stark.
Versicherung vorher klären
Geht auf dem Platz etwas zu Bruch, stellt sich die Frage, wer zahlt. Die R+V rät Eltern, vorab zu prüfen, ob eine befristete Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung im Preis enthalten ist oder dazugebucht werden kann. So vermeidest du, dass der Vertrag der Eltern nach einem Schaden hochgestuft wird. Bei den südbayerischen ADAC-Plätzen lässt sich etwa ein Vollkaskoschutz für das eigene Auto zubuchen.
Wie du einen Platz findest und was er kostet
Verkehrsübungsplätze betreiben Automobilclubs, Unternehmen und manche Fahrschulen. Ein guter Startpunkt sind die Fahrsicherheitszentren der ADAC-Regionalclubs; frag außerdem deine Fahrschule, welche Plätze in der Nähe Fahrschüler aufnehmen. Prüfe vor der Anfahrt, ob der Platz an dem Tag überhaupt geöffnet ist.
Die Preise legt jeder Betreiber selbst fest, oft pro Stunde, pro Abend oder per Ticket vor Ort. Zur Orientierung: Beim ADAC-Platz Hansa kostete eine Stunde bei der Eröffnung 2019 zwölf Euro, für Clubmitglieder zwei Euro weniger, plus 7,50 Euro Haftpflichtversicherung pro Tag. Aktuelle Preise stehen auf der Seite des jeweiligen Platzes.
Wann sich der Besuch am meisten lohnt
Zwei Zeitpunkte bringen besonders viel. Vor den ersten Fahrstunden lernst du Kupplung, Lenkung und Bremse in Ruhe kennen und musst die teure Fahrstunde nicht mit Grundlagen füllen. In den Wochen vor der Prüfung kannst du gezielt die Rangieraufgaben wiederholen, die dein Fahrlehrer noch als Schwachstelle sieht. Dazwischen hilft der Platz, wenn eine längere Pause zwischen den Fahrstunden liegt und du nicht aus der Übung kommen willst. Sprich mit deinem Fahrlehrer ab, was du auf dem Platz trainierst, damit sich keine Handgriffe einschleifen, die er dir später wieder abgewöhnen muss.
Übungsplan für drei Besuche
Besuch 1: das Auto kennenlernen
- Sitz, Kopfstütze, Lenkrad und Spiegel einstellen, Gurt anlegen. Genau diese Handgriffe will der Prüfer später vor der Abfahrt sehen.
- Anfahren, Schalten und Anhalten im Schritttempo, bis die Kupplung nicht mehr ruckt.
- Lenken mit beiden Händen in weiten und engen Kurven.
- Licht, Blinker, Warnblinker und Scheibenwischer finden, als Vorbereitung auf die technischen Fragen.
Besuch 2: rangieren wie in der Prüfung
- Rückwärts längs in eine etwa acht Meter lange Lücke einparken. Ziel: höchstens zwei Korrekturzüge und nicht mehr als 30 Zentimeter Abstand zum Bordstein.
- Vorwärts und rückwärts quer einparken, sauber innerhalb der Markierung.
- Rückwärts um eine Ecke fahren und umkehren, jeweils mit Blick über die Schulter.
Die genauen Anforderungen der Prüfung stehen im Guide Grundfahraufgaben; praktische Einparktipps im Beitrag Einparken in der Fahrprüfung.
Besuch 3: Situationen statt Technik
- Anfahren am Berg, wenn der Platz eine Steigung hat.
- Kreuzungen mit Verkehrszeichen und rechts vor links, sobald weitere Autos unterwegs sind.
- Kräftig bremsen aus dem erlaubten Tempo, aber nur, wenn die Platzordnung es zulässt und niemand hinter dir fährt.
Tipps für die Begleitperson
Die Begleitperson sitzt auf dem Beifahrersitz, damit sie jederzeit eingreifen kann, etwa mit einem Griff zur Handbremse oder einem klaren „Stopp“. Vereinbart vorher ein Haltesignal und haltet die Hinweise kurz: „Blick nach rechts“ hilft mehr als ein Vortrag über Vorfahrtsregeln. Lass die Fahrschülerin oder den Fahrschüler Fehler selbst bemerken und besprecht sie erst im Stand. Für die Technik gilt: Die Begleitperson zeigt nur, was sie sicher weiß. Wie man richtig einparkt oder bremst, erklärt am Ende der Fahrlehrer, damit sich keine falschen Handgriffe einschleifen.
Übrigens sind Verkehrsübungsplätze nicht nur etwas für Fahranfänger. Der ADAC in Südbayern nennt ausdrücklich auch Menschen, die nach einer langen Pause wieder ins Fahren einsteigen wollen.
Was ein Verkehrsübungsplatz nicht ersetzen kann
Der Platz trainiert Handgriffe, keine Verkehrsdichte. Fließender Verkehr mit 50 km/h, Landstraße, Einfädeln auf die Autobahn, Radfahrer im toten Winkel und Straßenbahnen gibt es nur auf öffentlichen Straßen und damit nur in der Fahrstunde. Plane den Platz deshalb als Ergänzung: Wer Kupplung und Einparken dort sicher beherrscht, hat in der Fahrstunde mehr Kopf frei für Vorfahrt und Beobachtung. In den Stunden kurz vor der Prüfung kannst du mit deinem Fahrlehrer Übungsrouten von SteerClear rund um deine Prüfstelle fahren; die App bewertet Bremsen, Kurven und Tempo und zeigt dir die Fahrt hinterher auf der Karte.
Checkliste für den Besuch
- Begleitperson mit Führerschein dabei, Führerschein eingesteckt
- zugelassenes, verkehrssicheres Auto
- Versicherungsfrage geklärt
- Platzordnung und Öffnungszeiten gelesen
- Ziel für den Tag festgelegt, zum Beispiel zehnmal längs einparken
Einen ADAC-Platz gibt es zum Beispiel in Augsburg, wie die Prüfung dort abläuft, beschreibt der Guide Prüfungsstrecken Augsburg. SteerClear ist unabhängig und weder mit dem ADAC noch mit TÜV oder DEKRA verbunden.
Unsere Mission: den Führerschein günstiger machen
Der größte Posten in den Zahlen oben sind bezahlte Fahrstunden – und wie viele du brauchst, hängt davon ab, was zwischen ihnen passiert. SteerClear will die Gesamtkosten senken: strukturiertes Üben auf Routen rund um die Prüfstelle zwischen den Stunden, damit jede bezahlte Stunde dich weiterbringt. Der Führerschein darf keine finanzielle Last sein.
FAQ
Ab wie viel Jahren darf ich auf den Verkehrsübungsplatz?
Das bestimmt der Betreiber. Bei den ADAC-Plätzen in Südbayern ab 15 Jahren, viele andere Plätze setzen 16 oder 17 Jahre an. Einen Führerschein brauchst du nicht, eine Begleitperson mit Führerschein schon.
Wer darf mich auf dem Verkehrsübungsplatz begleiten?
Eine Person mit gültigem Führerschein, meist seit mindestens drei Jahren. Manche Betreiber verlangen ein Mindestalter von 21 oder 25 Jahren. Die Begleitperson sitzt während der ganzen Übung auf dem Beifahrersitz.
Brauche ich für den Verkehrsübungsplatz ein eigenes Auto?
Bei den ADAC-Plätzen in Südbayern ja, erlaubt sind nur zugelassene Pkw. Andere Plätze haben eigene Regeln, frag im Zweifel beim jeweiligen Betreiber nach.
Gilt auf dem Verkehrsübungsplatz die StVO?
Auf den ADAC-Plätzen in Südbayern ja, dazu ein Tempolimit von 30 km/h. Das ist sinnvoll, weil du dort genau die Regeln trainierst, die du später auf der Straße und in der Prüfung brauchst.
Ersetzt der Verkehrsübungsplatz Fahrstunden?
Nein. Die Ausbildung und die vorgeschriebenen Sonderfahrten finden in der Fahrschule statt, und der Platz bildet keinen fließenden Verkehr ab. Er spart aber Zeit, weil du Grundlagen wie Anfahren und Einparken in der Fahrstunde nicht mehr von vorn lernen musst.
Was sollte ich auf dem Verkehrsübungsplatz zuerst üben?
Sitzposition, Spiegel, Anfahren und Anhalten. Danach die Rangieraufgaben aus der Prüfung: rückwärts längs einparken, quer einparken, rückwärts um die Ecke und umkehren.
Quellen
- ADAC Fahrsicherheitszentrum Südbayern: Verkehrsübungsplatz
- ADAC Südbayern: Führerscheinkosten senken mit dem ADAC Verkehrsübungsplatz
- ADAC Hansa: Fahrpraxis ohne Führerschein – Verkehrsübungsplatz Hansa eröffnet
- R+V Versicherung: Fahren ohne Führerschein ist eine Straftat
- Fahraufgabenkatalog der praktischen Fahrerlaubnisprüfung – Grundfahraufgaben (PDF)
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