Autofahren üben ohne Führerschein: Wo es legal ist und wo nicht
Aktualisiert
Ohne Führerschein darfst du in Deutschland auf öffentlichen Straßen nur mit einem Fahrlehrer fahren. Üben mit Eltern oder Freunden ist dort strafbar, und das gilt auch für den leeren Supermarktparkplatz am Sonntag. Erlaubt sind Fahrstunden, Verkehrsübungsplätze und abgegrenztes Privatgelände mit Zustimmung des Eigentümers.
Hier erfährst du, wo die Grenzen verlaufen, was Eltern als Halter riskieren und was die geplante Reform am Üben mit Begleitperson ändern würde.
Was das Gesetz sagt
Wer auf öffentlichen Straßen ein Kraftfahrzeug führt, braucht eine Fahrerlaubnis (§ 2 Abs. 1 StVG). Für Ausbildungs- und Prüfungsfahrten gibt es eine klare Regel: Ein Fahrlehrer oder Fahrlehreranwärter muss dabei sein, und er gilt rechtlich als Führer des Fahrzeugs (§ 2 Abs. 15 StVG). Deshalb ist die Fahrstunde erlaubt, die Runde mit Mama auf dem Beifahrersitz aber nicht.
Fahren ohne Fahrerlaubnis ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Nach § 21 StVG drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe, bei Fahrlässigkeit bis zu sechs Monate. Strafbar macht sich auch der Halter, der das Fahren anordnet oder zulässt. Laut R+V Versicherung kann außerdem eine Sperrfrist für den späteren Führerschein verhängt werden – genau das, was du kurz vor der Ausbildung nicht brauchst.
Wo du ohne Führerschein üben darfst
| Ort | Erlaubt? | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Öffentliche Straße, auch Feldweg | nein | nur in der Fahrstunde mit Fahrlehrer |
| Supermarkt- oder Baumarktparkplatz | nein | für jeden zugänglich, also öffentlicher Verkehrsraum – auch wenn er leer ist |
| Abgegrenztes Privatgelände | ja | Zustimmung des Eigentümers, eingezäunt und nicht für alle befahrbar |
| Verkehrsübungsplatz | ja | Mindestalter und Begleitperson nach den Regeln des Betreibers |
| Fahrstunde | ja | Fahrlehrer im Auto, Ausbildung nach Plan der Fahrschule |
Privatgelände: wann es wirklich privat ist
Entscheidend ist nicht, wem eine Fläche gehört, sondern ob sie für die Allgemeinheit zugänglich ist. Ein Kundenparkplatz gehört zwar einem Unternehmen, steht aber jedem offen, also gelten dort dieselben Regeln wie auf der Straße. Üben ist nur möglich, wo das Gelände klar abgegrenzt ist, etwa durch einen Zaun, nicht von jedem befahren werden kann und der Eigentümer zustimmt. Ein großer, eingezäunter Hof ist ein typisches Beispiel.
Denk an die Versicherung: Die Haftpflicht zahlt Schäden an anderen in der Regel, kann sich aber Geld zurückholen. Schäden am eigenen Auto übernimmt die Kasko laut R+V nicht, wenn jemand ohne Führerschein gefahren ist und der Versicherungsnehmer das ermöglicht hat. Kläre das vor der ersten Runde.
Verkehrsübungsplatz: die legale Abkürzung
Verkehrsübungsplätze sind genau für diese Lücke gebaut: Fahrbahnen, Kreuzungen und Parklücken auf geschlossenem Gelände, betrieben von Automobilclubs, Unternehmen oder Fahrschulen. Bei den ADAC-Plätzen in Südbayern darfst du zum Beispiel schon ab 15 Jahren fahren, wenn neben dir jemand sitzt, der seit mindestens drei Jahren den Führerschein hat. Auf dem Gelände gilt die StVO, gefahren wird höchstens 30 km/h. Andere Betreiber setzen das Mindestalter oder das Alter der Begleitperson höher an. Wie du die Zeit dort am besten nutzt, zeigt der Guide Verkehrsübungsplatz.
Begleitetes Fahren ab 17 ist kein Üben vor der Prüfung
Beim Begleiteten Fahren fährst du mit Begleitperson auf öffentlichen Straßen, aber erst, nachdem du Theorie und Praxis bestanden hast. Die Begleitperson muss mindestens 30 Jahre alt sein, seit mindestens fünf Jahren die Klasse B besitzen und darf beim Antrag höchstens einen Punkt im Fahreignungsregister haben (§ 48a FeV). Sie berät dich nur, sie ist kein Fahrlehrer. Das Begleitete Fahren ersetzt also keine Fahrstunden, es verlängert die Übungsphase danach.
Was die Reform plant: Fahrpraxis unter Anleitung
Die Bundesregierung will das Üben mit nahestehenden Personen erstmals ermöglichen, als Erprobung, die jedes Bundesland selbst umsetzen kann. Der Verordnungsentwurf (Bundesrats-Drucksache 365/26) sieht unter anderem vor:
- Start erst nach bestandener Theorieprüfung und mindestens sechs Unterrichtseinheiten Fahrpraxis in der Fahrschule,
- eine gemeinsame Einweisung von Fahrschüler und Begleitperson in der Fahrschule,
- eine Begleitperson mit besonderem Näheverhältnis, die seit mindestens sieben Jahren den Führerschein hat, höchstens einen Punkt in Flensburg hat, in den letzten drei Jahren kein Fahrverbot hatte und unentgeltlich anleitet,
- ein quadratisches Schild mit weißem „L“ auf blauem Grund und der Aufschrift „Übungsfahrt“ vorn und hinten,
- eine Beobachtungsfahrt mit Fahrlehrer nach 500 bis 600 Kilometern, Autobahn erst danach, und anschließend weitere Fahrstunden.
Stand Oktober 2026 ist das nicht in Kraft. Der Bundesrat muss noch zustimmen, und dieser Teil würde laut Entwurf erst am 1. Juli 2027 gelten. Bis dahin bleibt es dabei: auf öffentlichen Straßen nur mit Fahrlehrer. Mehr zu den Reformplänen steht im Beitrag Führerschein-Reform: weniger Sonderfahrten.
Fünf Irrtümer, die teuer werden können
- „Mit L-Schild ist das erlaubt.“ Das Schild gehört zum geplanten Modell und würde nur mit behördlicher Genehmigung gelten. Heute erlaubt es gar nichts.
- „Auf dem Feldweg ist es egal.“ Nein, auch dort ist Üben ohne Fahrlehrer verboten, wie die R+V ausdrücklich betont.
- „Auf unserem Grundstück dürfen wir alles.“ Nur wenn es klar abgegrenzt und nicht für jeden befahrbar ist. Ein Gelände, auf das jeder fahren kann, zählt nicht dazu.
- „Die Eltern sitzen ja daneben.“ Genau das macht sie als Halter mitverantwortlich: Wer das Fahren ohne Fahrerlaubnis zulässt, macht sich selbst strafbar.
- „Am Simulator ist es dasselbe.“ Die Reform will Übungen am Fahrsimulator grundsätzlich ermöglichen, für die Pflichtteile der Fahrpraxis unter Anleitung schließt der Entwurf Simulationen aber aus. Ein Simulator ersetzt keine Fahrt im Verkehr.
So holst du vor der Prüfung trotzdem mehr Übung heraus
- Stunden mit Thema: Plane Fahrstunden, die genau eine Situation trainieren, etwa nur Linksabbiegen oder nur Einfädeln.
- Übungsplatz fürs Handwerk: Nutze einen Verkehrsübungsplatz für Kupplung, Anfahren am Berg und Rangieren.
- Beifahrer-Training: Fahr als Beifahrer mit und sag laut, was du als Fahrer tun würdest: Schilder, Vorfahrt, Tempo.
- Prüfungsumgebung in der Stunde: Bitte deinen Fahrlehrer, Übungsrouten rund um deine Prüfstelle zu fahren. In SteerClear findest du solche Routen mit Sprachansagen, sodass du dich in der Stunde aufs Fahren konzentrierst statt auf die Wegsuche.
- Notizen: Schreib nach jeder Stunde auf, was gut lief und was nicht.
Wie viele Stunden die meisten brauchen, steht im Beitrag zur Zahl der Fahrstunden, was die Ausbildung kostet, im Überblick Führerschein Kosten. Welche Straßen rund um deinen Prüfort zählen, erklärt die Seite Prüfungsstrecken. SteerClear ist unabhängig und hat keine Verbindung zu Fahrerlaubnisbehörden, TÜV oder DEKRA.
Unsere Mission: den Führerschein günstiger machen
Der größte Posten in den Zahlen oben sind bezahlte Fahrstunden – und wie viele du brauchst, hängt davon ab, was zwischen ihnen passiert. SteerClear will die Gesamtkosten senken: strukturiertes Üben auf Routen rund um die Prüfstelle zwischen den Stunden, damit jede bezahlte Stunde dich weiterbringt. Der Führerschein darf keine finanzielle Last sein.
FAQ
Darf ich mit meinen Eltern Autofahren üben, bevor ich den Führerschein habe?
Nicht auf öffentlichen Straßen, auch nicht auf Feldwegen oder Kundenparkplätzen. Das wäre Fahren ohne Fahrerlaubnis nach § 21 StVG, und deine Eltern als Halter würden sich ebenfalls strafbar machen. Erlaubt ist das Üben auf einem Verkehrsübungsplatz oder auf abgegrenztem Privatgelände mit Zustimmung des Eigentümers.
Ist Üben auf dem leeren Supermarktparkplatz am Sonntag erlaubt?
Nein. Solche Parkplätze kann jeder befahren, sie zählen deshalb zum öffentlichen Verkehrsraum. Dass gerade niemand dort parkt, ändert daran nichts.
Ab welchem Alter darf ich auf einen Verkehrsübungsplatz?
Das legt der Betreiber fest. Bei den ADAC-Plätzen in Südbayern geht es ab 15 Jahren mit einer Begleitperson, die seit mindestens drei Jahren einen Führerschein hat. Andere Plätze verlangen ein höheres Alter, informiere dich deshalb vorab beim jeweiligen Platz.
Was droht, wenn ich ohne Führerschein erwischt werde?
Fahren ohne Fahrerlaubnis ist eine Straftat: bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, bei Fahrlässigkeit bis zu sechs Monate. Zusätzlich kann eine Sperre für den späteren Führerschein drohen, und Versicherungen können Leistungen verweigern oder zurückfordern.
Wird Üben mit Begleitperson durch die Reform erlaubt?
Geplant ist eine Erprobung namens Fahrpraxis unter Anleitung: nach bestandener Theorie und mindestens sechs Fahrstunden, mit genehmigter Begleitperson und L-Schild. Ob dein Bundesland mitmacht, entscheidet das Land. Stand Oktober 2026 ist die Verordnung noch nicht beschlossen.
Zählt das Begleitete Fahren ab 17 als Übung vor der Prüfung?
Nein. Begleitet fahren darfst du erst, wenn du die praktische Prüfung bestanden hast. Bis zum 18. Geburtstag fährt dann eine eingetragene Begleitperson mit, die mindestens 30 Jahre alt ist und seit fünf Jahren den Führerschein Klasse B besitzt.
Quellen
- Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 2 Fahrerlaubnis und Führerschein
- Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 21 Fahren ohne Fahrerlaubnis
- ERGO Rechtsportal: Führerschein üben auf dem Parkplatz
- R+V Versicherung: Fahren ohne Führerschein ist eine Straftat
- ADAC Fahrsicherheitszentrum Südbayern: Verkehrsübungsplatz
- Bundesrat, Drucksache 365/26: Entwurf der Fahrschulmodernisierungs-Verordnung (PDF)
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