Parkieren gehört zu den Pflichtmanövern an der praktischen Führerprüfung in der Schweiz. Ob Längsparkieren am Strassenrand oder Querparkieren auf einem Parkplatz — der Experte des Strassenverkehrsamts bewertet nicht nur das Ergebnis, sondern auch den gesamten Ablauf: Beobachtung, Fahrzeugtechnik und Sicherheit. In diesem Leitfaden erfährst du Schritt für Schritt, wie du beide Manöver souverän meisterst.
Warum Parkieren an der Prüfung so wichtig ist
Das Strassenverkehrsamt prüft Parkmanöver, weil sie im Alltag ständig vorkommen. Wer sicher und effizient parkieren kann, zeigt dem Experten, dass er das Fahrzeug beherrscht — auch auf engem Raum, unter Zeitdruck und mit anderen Verkehrsteilnehmern in der Nähe.
An der Führerprüfung wirst du mindestens ein Parkmanöver durchführen müssen. Der Experte wählt aus, ob es Längsparkieren oder Querparkieren ist, abhängig von der Route und den verfügbaren Parkplätzen. Informiere dich auf unserer Seite über Prüfungsstrecken, um die Routen deines Prüfungsorts kennenzulernen.
Längsparkieren (Parallelparkieren) — Schritt für Schritt
Beim Längsparkieren stellst du das Fahrzeug parallel zur Fahrbahn zwischen zwei parkierte Autos. Es ist das Manöver, das viele Fahrschüler am meisten fürchten — aber mit einer klaren Methode ist es gut zu schaffen.
Vorbereitung:
- Fahre langsam an der Parklücke vorbei und schätze ab, ob sie gross genug ist. Die Lücke sollte mindestens anderthalb Fahrzeuglängen betragen.
- Halte neben dem vorderen Fahrzeug an, etwa einen halben Meter seitlichen Abstand.
- Schalte den Rückwärtsgang ein und kontrolliere alle Spiegel sowie den toten Winkel.
Durchführung:
- Fahre langsam rückwärts, bis deine hintere Achse etwa auf Höhe des Hecks des vorderen Fahrzeugs ist.
- Schlage das Lenkrad ganz in Richtung Bordstein ein.
- Wenn das Fahrzeug in einem Winkel von etwa 45 Grad zur Fahrbahn steht, schlage das Lenkrad in die Gegenrichtung.
- Fahre langsam weiter rückwärts, bis das Fahrzeug parallel zum Bordstein steht.
- Korrigiere die Position, sodass der Abstand zum Bordstein zwischen 10 und 30 Zentimeter beträgt.
Worauf der Experte achtet:
- Durchgehende Beobachtung — du musst während des gesamten Manövers den Verkehr im Blick behalten.
- Ruhige, kontrollierte Lenkbewegungen ohne Hektik.
- Das Fahrzeug berührt weder den Bordstein noch ein anderes Fahrzeug.
- Das Endergebnis: Das Auto steht parallel, nahe genug am Bordstein und innerhalb der Lücke.
Querparkieren — Schritt für Schritt
Beim Querparkieren fährst du rechtwinklig in eine Parkbucht. Es kommt auf Parkplätzen, bei Einkaufszentren und in Parkhäusern ständig vor. An der Prüfung kann der Experte verlangen, dass du vorwärts oder rückwärts einparkierst.
Vorwärts einparkieren:
- Fahre langsam an den Parkbuchten vorbei und identifiziere die Ziellücke.
- Halte etwa anderthalb Meter Abstand zur Parkbuchtreihe.
- Wenn deine Schulter etwa auf Höhe des ersten Begrenzungspfostens der Lücke ist, schlage das Lenkrad voll in Richtung der Lücke ein.
- Fahre langsam in die Lücke und richte das Fahrzeug gerade aus.
- Halte mittig in der Lücke an.
Rückwärts einparkieren:
- Fahre an der Lücke vorbei und halte etwa anderthalb Meter daneben an.
- Kontrolliere alle Spiegel und den toten Winkel.
- Fahre langsam rückwärts und schlage das Lenkrad in Richtung der Lücke ein, wenn der richtige Drehpunkt erreicht ist.
- Richte das Fahrzeug gerade aus und halte mittig in der Bucht an.
Worauf der Experte achtet:
- Sicheres Rückwärtsfahren mit ständiger Beobachtung.
- Das Fahrzeug steht innerhalb der Markierungen.
- Kein Kontakt mit anderen Fahrzeugen, Pfosten oder Begrenzungen.
- Angemessenes Tempo — nicht zu schnell, nicht unnötig langsam.
Häufige Fehler beim Parkieren
Diese Fehler führen an der Führerprüfung am häufigsten zu Punktabzügen oder zum Nichtbestehen:
- Fehlende Beobachtung: Nicht in die Spiegel schauen oder den toten Winkel vergessen. Der Experte wertet dies als Sicherheitsmangel.
- Bordsteinkontakt: Das Auffahren auf den Bordstein ist ein häufiger Fehler beim Längsparkieren. Übe, bis du ein Gefühl für den Abstand entwickelst.
- Zu viele Korrekturen: Mehrfaches Vor- und Zurücksetzen zeigt mangelnde Übung. Ideal ist es, mit maximal einer Korrektur in die Lücke zu kommen.
- Zu grosser Abstand zum Bordstein: Mehr als 30 Zentimeter Abstand gilt als fehlerhaft. Das Fahrzeug ragt dann zu weit in die Fahrbahn.
- Vergessen des Blinkers: Auch beim Parkieren musst du andere Verkehrsteilnehmer über deine Absichten informieren.
Schweizer Besonderheiten
In der Schweiz gelten einige spezifische Regeln und Gepflogenheiten beim Parkieren, die du kennen solltest:
- Parkieren in Steigungen: Wenn du am Hang parkierst, musst du die Räder zur Bordsteinkante hin einschlagen (bergauf: vom Bordstein weg; bergab: zum Bordstein hin). Der Experte prüft dies gezielt.
- Blaue Zone: In der blauen Zone ist das Parkieren mit Parkscheibe erlaubt. An der Prüfung wirst du zwar keine Parkscheibe legen müssen, aber der Experte kann dich fragen, ob du weisst, wie sie funktioniert.
- Nachtparkieren: Innerorts muss das Fahrzeug bei Dunkelheit mit Standlicht oder Parkleuchte beleuchtet sein, wenn keine Strassenbeleuchtung vorhanden ist.
So übst du effektiv
Regelmässiges Üben ist der Schlüssel zum sicheren Parkieren. Hier einige Tipps:
- Beginne auf einem leeren Parkplatz, wo du Leitkegel oder andere Markierungen aufstellen kannst.
- Übe beide Manöver — Längs- und Querparkieren — in beide Richtungen.
- Steigere die Schwierigkeit schrittweise: erst grosse Lücken, dann engere.
- Übe auch an leichten Steigungen, da der Experte dies verlangen kann.
- Fahre die Routen rund um dein Prüfungszentrum ab und identifiziere Stellen, an denen häufig parkiert werden muss.
Was der Experte wirklich sehen will
Der Experte will nicht, dass du perfekt parkierst — er will sehen, dass du sicher parkierst. Das bedeutet:
- Du beobachtest den Verkehr während des gesamten Manövers.
- Du arbeitest ruhig und systematisch.
- Du erkennst, wenn etwas nicht stimmt, und korrigierst rechtzeitig.
- Du gefährdest zu keinem Zeitpunkt andere Verkehrsteilnehmer oder Fussgänger.
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